Mit dem Tender "Rhein" auf Transit vom Mittelmeer zurück nach Olpenitz

vom 12.05.2004 bis 21.05.2004

Die MK Wesel war mit an Bord
  Mit der Einladung des Kommandanten vom Tender "Rhein" im Gepäck machte sich eine Abordnung der Marinekameradschaft Wesel auf den Weg zu ihrem Patenschiff. Das Besondere: Der Tender lag im italienischen Marinehafen La Spezia und war Flaggschiff des NATO-Verbandes MCMFORSOUTH. Die Aufgabe dieses ständigen Verbandes ist es, die Minensuch- und Jagdfähigkeit der NATO-Partner im Mittelmeer zu trainieren. Der Tender unter dem Kommando von KKpt  Björn Laue übernahm hierbei neben der Führung und Aufnahme des Stabes die Rolle als Versorger auf See für die zahlreichen internationalen Minensuch- und Jagdboote.

 

      

Die Freude und Erwartung der beiden MK-Besucher Winand Rockhoff und Christian Quik war groß. Am Tag vor der Verbands-Kommandoübergabe holten sie der Kommandant sowie sein erster Wachoffizier vom Flughafen in Pisa ab. Nach einer kurzen Stippvisite bei "Schiefen Turm" befand man sich aufgrund des einsetzenden Regens schnell auf dem Weg nach La Spezia, dem zweitgrößten Marinehafen Italiens. An der Mole angekommen konnte man den Verband nicht übersehen. Bunt beflaggt und herausgeputzt  für die Kommandoübergabe von FKpt  Michael Mann an Capitan Paolo Polidoro lagen die Schiffe des Verbandes  nebeneinander an der Pier. 

Einen unerwarteten und besonderen Besuch zur Abendstunde bekam der Tender Rhein mit Vizeadmiral Nolting, Befehlshaber der Flotte. Nach einem offiziellem Empfang an Land nahm er die spontane Einladung des Kapitäns an und man verbrachte einen unterhaltsamen Abend in der Offiziersmesse.

Der erste volle Tag an Bord war vormittags durch die feierliche Entlassung des Tenders aus dem NATO-Verband und die Übernahme der Führung durch die italienische Fregatte "Alpino" geprägt. Nach der Entlassung  aus dem Verband war es nun soweit, den Rücktransit zum Heimathafen Olpenitz anzutreten. Nachdem das Schiff seeklar gemacht wurde hieß es "Leinen los". Pünktlich um 16.00 Uhr lichteten wir den Anker und schoben uns langsam in Richtung Hafenmole. Dabei passierten wir noch den einzigen Flugzeugträger Italiens, die "Guiseppe Garibaldi", sowie das italienische Pendant der "Gorch  Fock", die schmucke "Americo Vespucci".  Bis zur letzten Mole begleitete uns noch das Speedboot des neu in den Verband gekommenen Minenjagdbootes "Weilheim". An Bord spielte als besonderes  Abschiedsgeschenk ein Jagdhornbläser und verabschiedete den Tender schließlich mit ein paar Schüssen aus der Signalpistole.

Nachdem das offene Meer erreicht war und die Gebirgszüge Norditaliens hinter dem achterlichen Horizont verschwanden setzte die Seeroutine mit vierstündigem Wachwechsel (3er Wachsystem) ein. Der Tender umfuhr mit einer Marschgeschwindigkeit von 15 Knoten die Nordspitze von Korsika und legte Kurs in Richtung der Balearen an, die wir auch am nächsten Tag südlich passierten. Die nun folgenden Seetage waren geprägt von den jeweiligen Tagesdienstplänen. Feste Zeiten waren hier: Wecken 07.00 Uhr, "Backen und Banken" 07.10 Uhr, Morgenmusterung auf dem Flugdeck 08.30 Uhr danach Nasszellenreinschiff und Abschnittsdienst, "Backen und Banken" 11.30 Uhr danach wieder Abschnittsdienst. Das Ende des täglichen Dienstes um 17.30 Uhr wurde durch das "Rheinschiff" um 16.15  Uhr eingeläutet.

Da es nun keine aktuelle Manöveraufgabe aus der Verbandsführung gab, wurde die Besatzung mit diversen Vorträgen aus den verschiedensten  Mariene-Bereichen  weitergebildet. Zusätzlich reicherte man die Kenntnisse der Besatzung dadurch an, dass verwendungsübergreifende Wachen unter Anleitung übernommen wurden.

Am frühen Morgen des 3. Seetages tauchten zum ersten Mal wieder Landmarkierungen am Horizont auf. Unverkennbar zeigte sich Gibraltar mit seinen steil aufragenden Felsen. Mit 16 Knoten. Fahrt und Kurs 270 Grad verabschiedete sich der Tender nun vom Mittelmeer in Richtung Atlantik.

Der Atlantik empfing uns mit blauem Himmel, ruhiger See und Badetemperaturen. Da bot es sich an, den bordeigenen Pool und das Oberdeck für ein "SunEx" zu nutzen. Am sonntäglichen 4. Seetag war Ausschlafen angesagt und am Nachmittag wurde vom IWO KptLt  Jürgen Jensen das "FunEx" mit einem "Schiffs-Sicherungs-Ballturnier" auf dem Flugdeck eröffnet. Anschließend wurde es offiziell: Die Taufe der beiden  Kutter wurde bei bestem Wetter vor der Küste Portugals vollzogen. Stilecht mit je einer Flasche Sekt tauften die beiden weiblichen  Besatzungsmitglieder die Kutter auf die Namen der Städte Flensburg (Steuerbordkutter - Stadt der Bauwerft) und Wesel (Backbordkutter - Patenstadt). Mit einem deftigen Essen à la Chilli con carne auf dem Flugdeck und einem "Sundowner" endete ein entspannter und abwechslungsreicher Tag. Am 5. und 6. Seetag überquerten wir den außergewöhnlich ruhigen Golf von Biscaya. Aufgrund dieser Tatsache und der ebenfalls ruhigen See im Mittelmeer sowie den günstigen Windverhältnissen (meist achterlich) schaffte der Tender es  über seine max. Geschwindigkeit von 15 Knoten zu fahren.

Typischerweise empfing uns der Englische Kanal am 7. Seetag mit einer dicken Ladung Nebel. Bei einer Sicht von  nur 100 m ging es mit reduzierter Fahrt und erhöhter Aufmerksamkeit auf der Brücke weiter. Zur Mittagszeit verflog der Hochnebel und der Tender durchpflügte eine spiegelglatte See gepaart mit einem wolkenlosen Himmel. Es war sogar möglich, an der geringsten Breite auf der Höhe von Dover und Calais die englische sowie die französische Steilküste mit dem bloßen Auge zu erkunden.

Am 8. Seetag erreichten  erreichten wir die deutsche Bucht. Das Wetter wurde ein wenig rauer, so wie man es von der Nordsee gewöhnt ist. Die gute Sicht blieb und der Ausguck in der Steuerbordnock konnte mit dem Fernglas fast die Strandbesucher auf Norderney erblicken. Reger Schiffsbetrieb herrschte im Gebiet, wo die Jade-, Weser- und Elbmündung zusammenliefen. Uns blieb noch Zeit einen Blick in Richtung Helgoland zu werfen, welches man am Horizont so eben noch sehen konnte. Der Tender lief die Elbe hinauf mit dem Ziel Brunsbüttel, wo die Westeinfahrt des "Nord-Ostsee-Kanals" liegt. Nachdem ein Lotse und das traditionelle "Schleuseneis" an Bord genommen wurde, war es sehr entspannend den geraden Linien des Kanals zu folgen. Zudem auch wieder ungewöhnlich, dass man nun Land zu beiden Seiten des Schiffes passierte. Nach der Kanaldurchfahrt ankerten wir in der Kieler Förde vor Schilksee. Der letzte Tag an Bord prägte das Einlaufen in den Heimathafen Olpenitz. Pünktlich um 10.00 Uhr machte der Tender "Rhein" nach über vier Monaten in See an der Hafenmole fest. Nach 128 Abwesenheitstagen mit 13.345,1 Seemeilen war das Schiff wieder "zuhause". Viele Angehörige und Freunde standen auf der Pier und begrüßten den einlaufenden Tender.

Von der erfahrungsreichen und schönen Rückreise brachten die beiden MK'ler einiges an Eindrücken mit. Allein die Möglichkeit am Rücktransit teilzunehmen, bestätigt die sehr gute Beziehung, die, so hoffen wir, noch lange bestehen wird.

Christian Quik       

 

 

 
 
 
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